Ein Beispiel für die Bewegungen in den Alpen liefern die Tschingelhörer bei Elm (Kanton Glarus). Die horizontale Trennlinie oberhalb vom Martinsloch bildet die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Gesteins-"Generationen". Im Zuge der Alpenbildung hat sich dort älteres Gestein aus der Permzeit (rund 270 Mio. Jahre alt) über bedeutend jüngere (60-40 Mio Jahre alte) Felsmassen geschoben.
Die Schweizer Alpen sind auf der ganzen Welt berühmt als Fundgebiet für hervorragende Bergkristalle und Rauchquarze. Diese sind in einer späten Phase der Alpenentstehung vor rund 15-20 Millionen Jahren entstanden, als sich Risse (Klüfte) in den Gesteinen bildeten und mineralhaltige Lösungen darin Mineralien kristallisieren liessen. Je nach Muttergestein finden sich völlig farblose Bergkristalle (in Schiefern und Quarziten) oder Rauchquarze (in Graniten und Gneissen). Eine begehrte Besonderheit ist der fast schwarze Morion, und extrem selten ist in unseren Alpen Amethyst. Wertbestimmend sind vor allem Glanz, Grösse, Unversehrtheit und die ästhetische Anordnung der Kristalle. Suche und Bergung der Kristalle sind eine mühsame Angelegenheit: Viele der Fundgebiete sind im hochalpinen Bereich, d.h. oft müssen die Strahler (Kristallsucher) senkrechte Felswände erklettern und Gletscher überqueren, um an neue vielversprechende Zonen zu gelangen. Somit ist jeder Schweizer Kristall ein Unikat, das durch viel Anstrengung und Herzblut ans Tageslicht gelangte.
In einem Waldstück namens Scortaseo (Scurtaseu) im Puschlav befindet sich ein einmaliges Vorkommen für Nephrit-Jade von ungewöhnlich frischer, heller Farbe. Die Jade ist teils vermengt mit Calcit und Talk, was die Verarbeitung schwierig macht. Typisch ist eine linsenartige Textur, ähnlich wie die Schuppen eines Fisches, weshalb der Name "Forellenstein" auch für diesen Schmuckstein gebraucht wird. Weil solide, schleifbare Rohstücke so selten sind, sieht man nur wenig von dieser Jade als verarbeitete Steine im Handel.
Die Bündner Alpen beherbergen mehrere Vorkommen von Rhodonit, welcher mit verschiedenen anderen Mineralien vermischt sein kann: mit gelbem Spessartin-Granat, grauem Tephroit und vielen weiteren. Typisch sind schwarze Adern von Manganerzen, welche den Rhodonit durchziehen. Die Schweizer Rhodonit-Vorkommen und deren Umgebung sind in der Regel ehemalige, durch die Alpenbildung metamorph umgewandelte Tiefsee-Sedimente, die vor über 150 Millionen Jahren mit Manganknollen bedeckt waren. Solche „frische“ Manganknollen werden heute bei Tiefsee-Expeditionen immer wieder beobachtet. Die bekanntesten Bündner Fundorte sind im Oberhalbstein, im Oberengadin und am Splügenpass.
Der Lazulith vom Stockhorn bei Zermatt ist einer der ganz wenigen Schweizer Steine mit einer blauen Farbe. Seine Fundstelle auf rund 3500 Metern Höhe wurde in den 1960ern entdeckt, gilt heute aber als erschöpft. Lazulith wurde dort mit Apatit, Quarz, Glimmer und anderen Mineralien als Knollen von einigen cm bis dm gefunden. Besonders selten und dementsprechend begehrt waren kräftig blaue, solide Stücke von mehreren cm Grösse. Diese liessen sich zu sehr hübschen Cabochons schleifen. Bei zwei Suchkampagnen in den vergangenen Jahren haben wir übrigens einige neue Stücke gefunden!
Es handelt sich beim Smaragdit um ein grün-weiss gemustertes, sehr dekoratives Gestein aus dem Saastal im Wallis. Er hat mit Smaragd (ausser der Farbe) nichts zu tun und wird von Geologen meist als Allalin-Gabbro bezeichnet. Man könnte ihn auch als echte Schweizer Jade bezeichnen, da er zu einem Teil aus Jadeit besteht. Dies macht ihn sehr stabil und zäh – also gut geeignet für die Verwendung als Schmuckstein. Die Entstehungsgeschichte des Allalin-Gabbros ist sehr bewegt: Vor 165 Millionen Jahren kristallisierte das Gestein als Gabbro am Boden eines Ozeans, welcher das Gebiet der heutigen Schweiz bedeckte. In der Frühphase der Alpenbildung, bei der Kollision des Afrikanischen mit dem Europäischen Kontinent, wurde dieser Gabbro in grosse Tiefen (60-80 km) versenkt und seine Mineralien wurden weitgehend metamorph umgewandelt. Es entstanden Omphazit, Jadeit, Granat und viele weitere. Das besondere am Allalin-Gabbro ist, dass seine magmatische Textur auch heute noch sehr schön zu sehen ist - nur die Mineralien sind nicht mehr dieselben wie damals.
Eins der Kronjuwelen der Alpengesteine ist der Granat-Peridotit von der Alpe Arami im Tessin. Er besteht aus blutrotem Pyrop-Granat in einer Grundmasse von dunkelgrünem Olivin (Peridot). Das gemeinsame Auftreten von Granat und Olivin weist auf die Entstehung bei sehr hohem Druck hin: Solche Gesteine müssen in Tiefen von mindestens 50 km entstanden sein. Der Granat-Peridotit von Alpe Arami ist in einer Tiefe von rund 100 km entstanden, was dieses Gestein – und die Prozesse, die es an die Erdoberfläche brachten – ausserordentlich macht. Neben Olivin und Granat sind immer wieder Körner von grasgrünem Chromdiopsid zu beobachten.
Die Bezeichnung Eklogit steht für ein Gestein, das bei einer Metamorphose unter hohen Drucken entstanden ist. Für die Entstehung von Eklogiten sind normalerweise Kristallisationstiefen von mindestens 50 km nötig. Typischerweise bestehen sie aus zwei Mineralien - Omphazit und Granat, was Ihnen eine rötlich-grünliche Farbmusterung verleiht. Typisch an Eklogiten ist die auffallend hohe Dichte, auch kleine Handstücke wirken bereits ordentlich schwer.
Blauschiefer wird auch Glaukophanschiefer genannt, nach dem dominierenden, darin enthaltenen blauen Mineral namens Glaukophan. Dieses gehört wie Hornblende oder Aktinolith zur Amphibol-Familie. Blauschiefer ist ein metamorphes Gestein, das bei hohen Drucken in Tiefen von 40 bis 60 km entstand. Ursprungsgestein war normalerweise ein Basalt. Richtig geschliffen ist Blauschiefer ein besonders schönes Gestein, die Exemplare mit den besten Blautönen stammen allerdings nicht aus der Schweiz, sondern aus Italien. Neben Glaukophan enthält es oft grünen Omphazit (eine Mischung aus Diopsid und Jadeit), roten Granat, Zoisit oder Epidot und Phengit (ein Glimmer). Grosse Vorkommen befinden sich im Raum Zermatt, die schönsten Qualitäten werden aber im Aostatal gefunden. Das Potential von Blauschiefer als Schmuckstein haben übrigens wir selbst entdeckt, am Anfang der 1990er.
Granit wird als das klassische Alpine Gestein betrachtet, obwohl echter Granit hier gar nicht so weit verbreitet ist, wie man meint. Grössere Granit-Massive treten im Kanton Uri (Göscheneralp, Furka) auf. An anderen Orten spricht man zwar traditionell von Granit (z.B. Grimsel-Granit), es handelt sich strenggenommen aber um andere, verwandte Gesteine wie zB. Granodiorit. Granite sind für uns auch interessant, weil sie das Muttergestein der begehrten Rauchquarze darstellen. Unsere zentralen Granite sind allesamt vor rund 300 Millionen Jahren aus Magmen kristallisiert. Sie wurden teilweise in der Alpenbildung intensiv durchbewegt und verschiefert, so dass sie heute als Gneisse bezeichnet werden müssten.
Der Name Amphibolit bezeichnet ein metamorphes Gestein, das aus Hornblende (dunkel) und Plagioklas-Feldspat, z.B. Labradorit (hell) besteht. Es ist in unseren Alpen vor allem im Tessin und im Unterengadin recht weit verbreitet. Sein typisches Erscheinungsbild ist das eines schwarz-weiss gefleckten Gesteins. Amphibolit hat sich als metamorphes Gestein während der Alpenbildung aus ehemaligen Basalten in Tiefen von 20 bis 30 km und Temperaturen von 500-700°C gebildet.
Serpentin ist der Überbegriff für drei Mineralien (Chrysotil, Antigorit und Lizardit), welche chemisch mehr oder weniger identisch sind und von Auge normalerweise nicht zu unterscheiden sind. Typisch für alle ist eine mehr oder weniger grüne Farbe. Er wird deshalb gerne mit Jade verwechselt. Das Gestein als Ganzes, welches Serpentin-Mineralien enthält, wird strenggenommen Serpentinit bezeichnet. Unsere alpinen Serpentinite stellen Gesteine des Erdmantels (ehemals Peridotite) dar, welche am Ozeanboden zur Jurazeit und Kreidezeit freigelegt worden sind und sich in Serpentinite umgewandelt haben.
Serpentin ist nicht besonders hart, aber zäh und lässt sich deshalb gut zu allerlei Objekten verarbeiten. Fundorte gibt es weltweit. Auch die Schweiz hat mehrere grosse Vorkommen (Engadin in Graubünden, Region Zermatt im Wallis). Typischerweise ist der alpine Serpentin sehr dunkel, ja fast schwarz. An einigen Fundorten (z.B. bei Hospental) zeigt er eine schöne Musterung.
Radiolarit kann man als eine Art "roten Jaspis" der Alpen zu bezeichnen, denn er besteht zu einem grossen Anteil aus feinkristallinem Quarz. Dazu enthält Radiolarit feinst verteilten Hämatit, der ihm die rote Farbe verleiht. Je nach Fundstelle kommen auch etwas Tonmineralien dazu. Radiolarit ist ein ehemaliges Tiefsee-Sediment, d.h. dort, wo wir heute Radiolarit-Schichten finden, müssen wir uns während der Ablagerungszeit mehrere Kilometer unter der Meeresoberfläche befunden haben. Die meisten Vorkommen schön roter Radiolarite befinden sich in den Bündner Alpen, z.B. in der Umgebung von Serpentiniten (Julierpass, Prättigau u.a.).
Ein klassisches alpines Gestein: schwarze, stengelige Hornblende-Kristalle in einer Grundmasse von hellem Glimmerschiefer, manchmal von rotbraunen Granat-Kristallen begleitet. Dieses Gestein stammt aus der geologischen Einheit der Tremola-Serie, welche vor allem an der Gotthard-Südrampe aufgeschlossen ist. Es handelt sich um ein metamorphes Gestein, welches zum Gotthard-Massiv gehört. Die schönsten, frischesten Exemplare dieses Gesteins wurden 1973 im Gotthard-Strassentunnel geborgen.
Aus unseren Alpen sind einige dekorative, bunte Karbonatgesteine bekannt, die "Marmor" genannt werden, strenggenommen aber als Kalke zu bezeichnen sind. Der Bernina-Marmor, der Rosenlaui- (oder Grindelwald-)Marmor und der Arzo-Marmor sind allesamt Kalke mit Brekzienstruktur. Der Bernina- und der Arzo-Marmor sind rund 200 Millionen Jahre alt, der Rosenlaui-Marmor ist mit 50 Millionen Jahren deutlich jünger.
Beispiele für echte Marmore, die in den Handel gelangen, sind der rein weisse Marmor von Peccia und der bunte Marmor von Castione, beide Tessin. Zusätzlich gibt es viele weitere, kleinere Marmor-Vorkommen, vor allem verteilt über die Tessiner Alpen.